„Systemversagen“: HĂ€tten Flutopfer verhindert werden können?

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Nach der verheerenden, furchtbaren Flutkatastrophe, die insbesondere Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schwer getroffen hat, sitzen Schock, Fassungslosigkeit und Trauer noch immer tief. Laut Pressemitteilungen verloren ĂŒber 160 Menschen ihr Leben, Hunderte weitere wurden verletzt, noch immer gibt es Vermisste. Weiterhin entstanden SachschĂ€den in Milliardenhöhe. Auch wenn das ganze Ausmaß der SchĂ€den durch das Hochwasser noch nicht bestimmt werden kann, hat die Aufarbeitung der Naturkatastrophe bereits begonnen.

Einige Fragen, die dabei in den Vordergrund rĂŒcken, sind: Wieso ist die Anzahl der Todesopfer im Vergleich zu anderen Überschwemmungen in den letzten Jahrzehnten derart hoch? Wurden die Menschen in den betroffenen Gebieten nicht ausreichend gewarnt?

Opfer wurden mutmaßlich nicht ausreichend gewarnt

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge beurteilt Hannah Cloke, eine britische Forscherin und eine der Entwicklerinnen des EuropĂ€ischen Hochwasser-Warnsystems, die Vorbereitung auf die Flutkatastrophe durch die Bundesregierung und das deutsche Katastrophenschutz-System als „monumentales Systemversagen“. Ihren Angaben nach warnte das europĂ€ische Hochwasser-Warnsystem die Bundesregierung bereits vier Tage vor dem Beginn der Flutkatastrophe.

DarĂŒber hinaus sollen deutsche Behörden in den folgenden Tagen detaillierte Diagramme mit prĂ€zisen Voraussagen fĂŒr das Hochwasser erhalten haben. Cloke Ă€ußert dazu: „[I]rgendwo ist diese Warnkette dann gebrochen, sodass die Meldungen nicht bei den Menschen angekommen sind.“
Die Britin hinterfragt zudem die hohe Anzahl der Todesopfer und begrĂŒndet ihre These des Systemversagens folgendermaßen: „Die Tatsache, dass Menschen nicht evakuiert wurden oder die Warnungen nicht erhalten haben, legt nahe, dass etwas schiefgegangen ist.“

Mangelhafte KrisenprÀvention?

Die Expertin prangert neben fehlenden Warnungen der Menschen vor Ort außerdem eine mangelhafte KrisenprĂ€vention an: „Es nĂŒtzt nichts, riesige Computermodelle zu haben, die vorhersagen, was passieren wird, wenn die Leute nicht wissen, was sie bei einer Flut tun sollen.“
DiesbezĂŒglich kritisiert auch Hartmut Ziebs, von 2016 bis 2019 PrĂ€sident des Deutschen Feuerwehrverbandes, die Bundesregierung. Die Bevölkerung sei nicht gut genug in den nationalen Katastrophenschutz einbezogen worden, so sein Vorwurf.

Mittlerweile verdichten sich die Informationen mutmaßlich dahingehend, dass die Unwetterlage tatsĂ€chlich nicht ĂŒberraschend kam. So bestĂ€tigte die Landesregierung in NRW beispielsweise, dass schon am Dienstag eine Landeslage aufgebaut wurde, „da ein solches Ereignis abzusehen war“. Am Montag zuvor um 10:28 Uhr hĂ€tten sich amtliche Warnungen vor Extrem-Unwetter prĂ€zisiert.

Die Frage bleibt bestehen: Wieso kamen die Warnungen vor extremem Unwetter und Hochwasser nicht in ausreichendem Maße bei den Betroffenen an, obwohl die Informationen vorhanden waren?

BBK-Leiter Schuster sieht die Verantwortung nicht bei sich, AfD fordert RĂŒcktritt

Der Chef des Bundesamtes fĂŒr Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, jedenfalls weist die Verantwortung von sich: „Unsere Warninfrastruktur hat geklappt im Bund.“ Er verortet diese vielmehr auf den unteren Ebenen: „Die Einsatzleitung obliegt bei solchen Katastrophen den betroffenen LĂ€ndern. Vor Ort liegt die Verantwortung bei den LandratsĂ€mtern“, so der 60-JĂ€hrige.

Eine Mitverantwortung fĂŒr ihr Schicksal sieht der Leiter des BBK zudem bei den Opfern selbst: „Einige Opfer haben die Gefahr unterschĂ€tzt und (
) Grundregeln bei Starkregen nicht beachtet.“ Wegen seiner Rolle in der BewĂ€ltigung der Hochwasser-Katastrophe forderte die AfD unlĂ€ngst den RĂŒcktritt Schusters.

Dazu verdeutlicht Martin Hess, stellv. innenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion in einer Pressemitteilung: „Der BBK-PrĂ€sident muss umgehend abberufen werden. Der Bevölkerungsschutz darf nicht missbraucht werden, um Abgeordneten Versorgungsposten zu verschaffen.“ Schuster saß unmittelbar vor seiner TĂ€tigkeit beim BBK fĂŒr die CDU-Fraktion im Deutschen Bundestag.

Laute Kritik an fehlender Berichterstattung des WDR

Harsche Kritik erhĂ€lt auch der WDR fĂŒr seine Berichterstattung wĂ€hrend der dramatischen Unwetter-Lage. Pressestimmen nach sendete der Sender zeitgleich zur Naturkatastrophe sowohl im Radio als auch im Fernsehen Unterhaltungsprogramme. Nach 20:30 Uhr blieb demnach eine Dokumentation der Geschehnisse fast vollstĂ€ndig aus. Teilweise wird das Vorgehen des WDR sogar als „unterlassene Hilfeleistung“ bewertet.

ZusĂ€tzlich kritisiert der frĂŒhere Leiter und Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios Berlin, Ulrich Deppendorf, die ARD: „Die schwersten Unwetter in Deutschland und im Ersten der ARD gibt es keinen Brennpunkt! Ist das die neue ‘Informations-Offensive’ der neuen ARD-Programmdirektion?“

AfD-Fraktion fordert AufklĂ€rung des Versagens und Maßnahmen zur Klimaanpassung

Als Folge dieser neuen brisanten Informationen fordert die AfD-Fraktion, dass das Versagen der Bundesregierung umfassend aufgeklĂ€rt werden muss, auch „um eine Wiederholung solcher Ereignisse zu vermeiden“. Dr. Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, gibt dazu kund, dass bei entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen aufgrund der Warnungen viele Menschenleben hĂ€tten gerettet werden können.

„Stattdessen tut man heute nicht nur so, als habe man das nicht ahnen können, sondern schiebt die eigene Verantwortung mit Hinweis auf den ‚Klimawandel‘ von sich weg“, so die 42-JĂ€hrige weiter. Des Weiteren spricht sich die OppositionsfĂŒhrerin im Bundestag fĂŒr eine umfangreiche UnterstĂŒtzung fĂŒr die betroffenen Regionen in Form von schneller, unbĂŒrokratischer Hilfe aus.

Zuvor setzte sich bereits der umweltpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Karsten Hilse, fĂŒr Maßnahmen zur Klimaanpassung statt „sinnlosem Klimaschutz“ ein. Aus dem von der AfD-Bundestagsfraktion seit 2018 geforderten Klimawandelfolgenanpassungsfonds könnten laut Hilse „nicht nur eventuell erforderliche Anpassungsmaßnahmen, wie die Renaturierung von Industriebrachen, BewĂ€sserung von DĂŒrregebieten, sondern eben auch Hochwasserschutzmaßnahmen wie Deichbau, Polder und Flutrinnen finanziert werden.“ Der Schutz der Menschen im eigenen Land solle im Vordergrund stehen, so der 56-JĂ€hrige.

AfD Rheinland-Pfalz unterstĂŒtzt

Nach der Flutkatastrophe in Deutschland errichtete die AfD Rheinland-Pfalz eine Hochwasserhilfe und rief zu Spenden und UnterstĂŒtzung auf. Wer dringend Hilfe benötigt oder helfen möchte, kann dies ĂŒber die Hochwasserhilfe der AfD-Rheinland-Pfalz tun.

Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Sebastian MĂŒnzenmaier und der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla reisten zudem ins Krisengebiet, um gemeinsam mit den Helfern vor Ort anzupacken.

TM

„Systemversagen“: HĂ€tten Flutopfer verhindert werden können? Zuletzt aktualisiert: 19.07.2021 von Team MĂŒnzenmaier
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Kommentare

  • Lucifer Bromwasser 19 / 07 / 2021

    Das Überschwemmungsgebiet ist innerhalb weniger Tage von gleich zwei Jahrhundertkatastrophen heimgesucht worden. Angela Merkel wĂ€hrend ihrer Sightseeing-Tour: “Wir mĂŒssen uns sputen beim Kampf gegen den Klimawandel!”
    Ist schon klar, Angela. Deshalb musste die CO2-freie Stromerzeugung mittels Kernkraftwerken ganz dringend reduziert werden zugunsten von Kohlekraftwerken.
    Die abgrundtief törichte Energiewende hat inzwischen mehrere hundert Milliarden Euro verbrannt ohne irgendeine positive Auswirkung auf das Klima.
    Aber Hauptsache, das Geld ist verpulvert und kann nicht mehr fĂŒr Katastrophenschutz zweckentfremdet werden.

  • uwe schlechter 19 / 07 / 2021

    HÀtte man vor 30-40 Jahren nicht die Sirenen abgebaut, da der eiserne Vorhang gefallen war und hÀtte man die Lehren gezogen vor
    1 1/2 – 2 Jahren, nach diesem desaströsen Sirenentag wo nichts funktionierte dann hĂ€tten Menschenleben gerettet werden können. Das Wasser wĂ€re gekommen aber die Menschen wĂ€ren Zeitig informiert gewesen.

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