Helge Lindh (SPD) im tĂŒrkischen Erdogan-Propaganda-TV

Helge Lindh (SPD) im tĂŒrkischen Erdogan-Propaganda-TV

Vor knapp einem Jahr ging der steuerfinanzierte tĂŒrkische Fernseh- und Nachrichtenkanal „TRT“ auch in Deutschland auf Sendung und bezog seine RedaktionsrĂ€ume in Berlin-Mitte. Chefredakteur Kaan Elbir, zuvor bei der AKP-nahen Zeitung „Daily Sabah“ angestellt, stellte 2020 den Grundgedanken des Senders vor:

„TRT Deutsch“ positioniere sich „ganz klar gegen Islamfeindlichkeit und gegen jede Art von Rassismus. (
.) Wir wollen dadurch ein Sprachrohr fĂŒr die Probleme von Minderheiten und sozial Benachteiligten sein. Kulturelle Vielfalt und MeinungsdiversitĂ€t betrachten wir dabei als Bereicherung.“

Bei einer genaueren Betrachtung der Autoren und der veröffentlichten Berichte wird schnell klar, dass der Sender scheinbar hauptsĂ€chlich dazu dient, tĂŒrkische Propaganda aus dem Erdogan-Lager zu verbreiten. Zu viele AKP-nahe Autoren verfassen regimefreundliche Berichte und singen Loblieder auf den Islam, darĂŒber hinaus wird nicht an Kritik an angeblichem Rassismus in Deutschland gespart.

Vergangene Woche hat Helge Lindh (SPD) dem tĂŒrkischen Staatssender einen Besuch abgestattet und ein ausfĂŒhrliches Interview gegeben. Dabei sparte der SPD-Bundestagsabgeordnete nicht mit Lob fĂŒr die Muslime in Deutschland und kritisierte den angeblichen strukturellen Rassismus der Bundesrepublik. Auch fĂŒr Mesut Özil fand der Wuppertaler einige Worte.

Interview mit Helge Lindh bei “TRT Deutsch”

Auf die einleitende Frage, weshalb Muslime nicht als Teil der Gesellschaft in Deutschland gesehen werden, antwortet Lindh mit einem historischen Vergleich:

„Das rassistische Denken hat nicht geendet mit dem Zweiten Weltkrieg.“

Es gebe ethnisch orientierten Rassismus sowie solchen, der bei der Religion ansetze. Wellen der Islamfeindlichkeit und des Rassismus wĂŒrden ĂŒber die Menschen hereinbrechen, erlĂ€utert der 44-JĂ€hrige.

Immer wieder mĂŒssten sich Muslime beweisen und mehr leisten, um Anerkennung zu finden. Auch wegen ihres Glaubens hielten es viele Menschen dieser Gemeinschaft fĂŒr notwendig, sich zu entschuldigen. Lindh bezeichnet dieses Geflecht als „Grundfehler in der Situation.“

Den eingefĂŒhrten Kabinettsausschuss gegen Rassismus sieht der Parlamentarier anschließend als „deutliche Verbesserung“. Auch den unabhĂ€ngigen Expertenkreis gegen Muslimfeindlichkeit befĂŒrwortet Lindh, dies seien „dringende, ĂŒberfĂ€llige, notwendige Schritte.“ Weitere Maßnahmen auf allen Ebenen sollten jedoch folgen. Institutionen und Einrichtungen mĂŒssen in die Pflicht genommen werden, fĂŒhrt Lindh fort.

Ebenso bemÀngelt der streitbare Sozialdemokrat eine Ungleichverteilung der Aufmerksamkeit bei Straftaten in den Medien und dem politischen Raum:

„Wenn der TĂ€ter auslĂ€ndisch ist oder möglicherweise muslimisch, wird generalisiert, wird ein Grundverdacht geĂ€ußert.“ Das betrĂ€fe neben KriminalitĂ€t auch TerroranschlĂ€ge.

Lindh sieht einen anderen Lösungsweg: „Wir alle wenden uns gegen TerroranschlĂ€ge.“

Struktureller Rassismus und Mesut Özil

Der zweite Teil des Interviews wird mit der Frage nach strukturellem Rassismus in deutschen Behörden eröffnet. Lindh Ă€ußert sich klar:

„Aus meiner Sicht steht es außer Zweifel, dass es strukturellen und institutionellen Rassismus gibt.“

Das Problem lÀge in den Strukturen und Gewohnheiten, dies sei eindeutig nachgewiesen:

„Wir haben in dem System ein Problem.“

Auf eine folgende Frage, was Menschen mit Migrationsgeschichte beitragen könnten, um das gesellschaftliche Zusammenleben zu fördern, irritiert Lindh mit einer gewagten Veranschaulichung. Mesut Özil, ehemaliger Fußballnationalspieler, sei nach seinen Toren gefeiert worden. Die aufgekommenen Debatten zu seinen politischen Statements hĂ€tten fĂŒr einen Bruch gesorgt:

„Derjenige, der groß gefeiert wurde als Nationalspieler, war plötzlich verdĂ€chtig und wurde in Frage gestellt.“ Dies habe Özil gezeigt: „Du gehörst nicht dazu.“

Wenn Muslime und Migranten als selbstverstĂ€ndlicher Teil der Gesellschaft angesehen seien, wĂ€re ein großer Teil des Problems gelöst.

Was Muslime oder Migranten jedoch konkret selbst tun können, um ein fester Bestandteil der Gesellschaft zu sein, beantwortet Lindh nicht.

Zum Ende darf der Bundestagsabgeordnete seine WĂŒnsche fĂŒr die Zukunft Ă€ußern. FĂŒr 2021 wĂŒnsche er, „dass wir einmal nicht erleben, dass jeden Monat eine neue Islam- oder Migrationsdebatte gefĂŒhrt wird.“

Richtung Mekka betete der Wuppertaler zum Ende noch nicht.

Ein RĂ€dchen im tĂŒrkischen Propagandaapparat

Der SPD-Abgeordnete wagt sich mit dem nachgezeichneten Interview nah an den politischen Islam, den der tĂŒrkische PrĂ€sident Erdogan in seinem Land praktiziert. Lindhs Unterwerfung an den Islam und seine BrĂ€uche sind schon lange bekannt und medial von ihm selbst bestens dokumentiert. Jedoch als RĂ€dchen im Propagandaapparat Erdogans mitzudrehen und diesen auf diese Weise zu legitimieren, ist gefĂ€hrlich und unverantwortlich. Dies sollten selbst Sozialdemokraten erkennen.

TM

Helge Lindh (SPD) im tĂŒrkischen Erdogan-Propaganda-TV Zuletzt aktualisiert: 10.02.2021 von Team MĂŒnzenmaier

One Reply to “Helge Lindh (SPD) im tĂŒrkischen Erdogan-Propaganda-TV”

  • DerIngenieur

    By DerIngenieur

    Ein Politiker einer Regierungspartei macht sein Volk und sein Land vor dem Ausland schlecht. Eine Schande. Und am Ende wundert man sich, wo der Respekt gegenĂŒber Deutschland bleibt.

    Aber wer respektiert schon jemanden, der mit Dreck nach seinem Land und seinem Volk wirft!

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