Filmkritik: “Dekadenz – Jubelnd in den Untergang” von Imad Karim

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Der libanesisch- deutsche Regisseur und ehemalige Fernsehjournalist Imad Karim hat sein neuestes Filmprojekt „Dekadenz – Jubelnd in den Untergang“ fertiggestellt. Der 62-JĂ€hrige beschreibt im knapp halbstĂŒndigen Streifen verschiedene Stationen Deutschlands nach Ende des 2. Weltkrieges und stellt eindrucksvoll den „absurden Zustand“ der Bundesrepublik zur Schau.

Schon 2016 hatte der Filmemacher mit den Dreharbeiten begonnen und musste diese ein Jahr spĂ€ter aufgrund der intensiven Drehkosten abbrechen. Ende letzten Jahres wandte sich Karim der Arbeit wieder zu und konnte sie im FrĂŒhjahr 2021 fertigstellen.

Imad Karim: Europa ist Wiege der modernen Zivilisation

Schon vor Beginn der eigentlichen Handlung verdeutlicht Karim mit einer Anklageschrift, worum es ihm in seinem Projekt geht:

„Als ein in die Freiheit eingewanderter Filmemacher kann ich den Prozess des ideologischen Irrsinns, des verheerenden Untergangs und des Selbsthasses im Westen nicht aufhalten, aber ich kann ihn wenigstens dokumentieren.“

Als im Anschluss zwei „KĂŒnstler“ auf den KanĂ€len des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Tiere imitieren und so den eigentlichen Handlungsverlauf eröffnen, wird schnell klar, worauf der Film seinen Fokus legt:

Die nach links gerĂŒckte Republik und der schleichende Verlust aufklĂ€rerischer Werte im westlichen Europa.

Nach einem RĂŒckblick in die griechische Mythologie blickt Karim auf seine Ankunft in Europa zurĂŒck: Er habe sich in der Kultur direkt wohlgefĂŒhlt, eine geistige Heimat gefunden und eine starke Bindung aufgrund der Historie des Kontinents entwickelt.  Durch Kampfeswillen sei Europa in der Geschichte zur Weltmacht geworden. Demokratie, Philosophie, Ethik, Freiheit: Europa sei die Wiege der modernen Zivilisation, fasst Karim zusammen.

Doch was ist von diesem einst so stolzen Kontinent ĂŒbrig?

Europa als „Linker Ideologie-Fun-Park vor der Pleite“

Mit der Metapher des Freizeitparks versucht Karim, sich dem heutigen Zustand Europas anzunĂ€hern. Bilder der Migrationswelle und Bekundungen von fĂŒhrenden Politikern wie Bodo Ramelow (Die Linke) untermalen den verĂ€nderten Zeitgeist.

„Im linken Freizeitpark kann jeder sein, was er möchte.“

Neuankömmlingen werde Narrenfreiheit garantiert, die schuftenden KrĂ€fte im Hintergrund (metaphorisch fĂŒr den deutschen Mittelstand) seien davon ausgenommen. Statt harter Arbeit stĂ€nden Genderstudies oder Flirtkurse fĂŒr FlĂŒchtlinge hoch im Kurs: Im „linken Funpark“ beliebte Berufe, die jedoch nichts zum volkswirtschaftlichen Nutzen beitragen.

Nach einem Verweis auf die „Nazigeisterbahn“, eine der beliebtesten Attraktionen im europĂ€ischen Freizeitpark und gleichzeitig einer der wichtigsten Lebensinhalte der angeblich Toleranten, wirft Karim einen Blick in die Geschichte zurĂŒck. Wie konnte es den Linken gelingen, die Meinungshoheit in Deutschland und Europa in diesem Maße zu gewinnen?

 „Dann geht es wieder darum, worum es im echten Leben immer geht: ums Überleben.“

Bei Autor Werner Reichel habe Karim Antworten auf seine Fragen gefunden. In der Überflussgesellschaft in den 1960er Jahren sei die sozialistische 68er-Bewegung entstanden. Mit Verweisen auf die RAF-Fraktion und Rudi Dutschke wird auf den langen Marsch der linken KrĂ€fte durch die Parlamente und Behörden hingewiesen. Die Warnungen vor den GrĂŒnen, heute sogar mit Kanzlerkandidatin ausgestattet, wurden ab Ende der 1980er Jahre immer weniger. So stand dem Ausbau linker Macht nichts mehr im Wege. SpĂ€testens seit 1998 und der Besetzung bedeutender Ministerposten durch frĂŒhere RAF-Sympathisanten sei der Linksruck nicht mehr aufzuhalten gewesen. Einen weiteren Aufschwung erhielt der „linke Freizeitpark“ dann durch die Angleichung der CDU an den linken Zeitgeist.

Hart fĂ€llt die abschließende Zukunftsanalyse Karims aus:

„Noch herrscht eine heile Welt im Park. Alle scheinen sich nach dem großen Ziel, dem Ökosozialismus, zu sehnen. Doch wie jeder Sozialismus wird auch dieser scheitern. Und der linke Freizeitpark wird pleitegehen. Dann gibt es endlich wahre Gerechtigkeit. Denn dann sind wir endlich alle gleich. Gleich arm, gleich hungrig, und alle gleichermaßen verzweifelt. Dann geht es wieder darum, worum es im echten Leben immer geht: ums Überleben.“

Hier können Sie den Film “Dekadenz – Jubelnd in den Untergang” ansehen.

TM

Filmkritik: “Dekadenz – Jubelnd in den Untergang” von Imad Karim Zuletzt aktualisiert: 26.04.2021 von Team MĂŒnzenmaier
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Donnerdrommel
6 Tage zuvor

Ich pflichte ihnen vollständig in ihrer Betrachtung und Schlussfolgerung bei. Ergänzend meine ich, dass die Rolle der Konservativen 89/90 bezüglich staatlicher Souveränität, in diesem Kontext eine nicht zu untetschätzende war. Während Waigel auf dem Landmannschaftstreffen noch vollmundig in der Tradition der alten CSU, den weiteren Schulterschluss und die Anliegen der deutschen Ostgebiete postulierte, gab er und Kohl sich kurz darauf mit dem Anschluss der DDR zufrieden. Ein unter Straus noch essentielles, urkonservatives Anliegen wurde für den kurzsichtigen Wahlerfolg 1990 geopfert. Mit einer Revision der teils oktroyierten Moskauer und Warschauer “Verträge”, zu deren Unterzeichnung weder die BRD noch die DDR legitimiert… Weiterlesen »