Die Akte Laschet – Wer ist der CDU-Kanzlerkandidat?

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Klein, flotten Schrittes, öfter eine Zigarillo in der Hand.

Nach mehreren Tagen offenen Streits zwischen den Schwesterparteien der CDU und CSU hat es Armin Laschet (CDU) geschafft. Der unscheinbare Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens wird der Kanzlerkandidat der Union.

Zwei harte innerparteiliche Gefechte musste Laschet in den letzten Monaten bestreiten und hat schlussendlich beide für sich entscheiden können. Gegen den Junge Union-Popstar und Ex-Black-Rock-Aufsichtsrat Friedrich Merz (CDU) erkämpfte sich der Aachener den CDU-Parteivorsitz, gegen den Lockdown-Fan Markus Söder (CSU) setzte sich der 60-Jährige im Kampf um die Kanzlerkandidatur durch. Auch heftiger Widerstand aus der eigenen Partei und offene Zweifel an seinen Fähigkeiten bewegten Laschet zu keiner Umkehr.

Doch wer ist der Mann, der die Union nun in den Bundestagswahlkampf fĂĽhren und nach dem Willen der Schwesterparteien das Kanzleramt besetzen soll?

Über einen Zuwanderungsfreund, der nichts von Volksabstimmungen hält, von einer „Habeckisierung der Politik“ schwärmt und auch mal Noten auf Universitätsklausuren verteilt, die er eigentlich verschlampt hat.

Kanzlerkandidat der Union: Wer ist Armin Laschet?

Die politische Karriere Laschets begann Mitte der 90er-Jahre mit seinem Einzug in den Deutschen Bundestag. Schon 2005 wechselte der Aachener in die Landespolitik und zeigte schnell seine politische Linie auf: Er wird der erste Integrationsminister Deutschlands und fordert zudem messbare Erfolge in diesem Bereich ein. 2006 sprach sich Laschet für mehr Einbürgerungen aus, 2007 dafür, dass es mehr Zuwanderung brauche. 2009 veröffentlichte er das vielsagende Buch „Die Aufsteigerrepublik: Zuwanderung als Chance“. Im selben Jahr bekräftigte Laschet in einem Zeitungsinterview, dass der Islam „zu uns“ gehöre und kommentierte die Volksabstimmung zum Minarettverbot in der Schweiz:

„Glücklicherweise ist unsere Verfassung ja klüger und lässt keine Volksabstimmung auf Bundesebene zu, erst recht nicht über Grundrechte wie die Religionsfreiheit.“

“TĂĽrken-Armin” – „FĂĽr mehr Zuwanderung werben“

In einem Phoenix-Interview 2011 offenbarte er, dass die CDU das Problem des Demographischen Wandels in Deutschland „zu spät erkannt“ habe und diese Lücke auf dem Arbeitsmarkt mit Migranten lösen wolle:

„Aber das wird alles nicht reichen, um den demographischen Wandel zu bestehen. Deshalb mĂĽssen wir jetzt umsteuern und offensiv fĂĽr mehr Zuwanderung werben.”

Anfang 2016 trat der heute 60-Jährige als Verteidiger der Migrationspolitik von Kanzlerin Merkel auf und meinte: „Wir waren alle in diesem Rausch.“ Nur ein Jahr später gewann der CDU-Politiker die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen etwas überraschend gegen die damalige SPD-Landesmutter Hannelore Kraft und setzt seitdem seinen migrationsfreundlichen Kurs nahtlos fort. Im August 2020 besuchte Laschet öffentlichkeitswirksam das Flüchtlingslager Moria, musste seinen Besuch aufgrund großer Tumulte jedoch abbrechen. Nur einen Monat später appellierte der Landesvorsitzende der CDU-NRW an die Europäische Union, Flüchtlingshilfe für Griechenland nicht von der normalerweise geltenden Einstimmigkeit abhängig zu machen. „Alle Willigen sollten jetzt tätig werden“, forderte der 60-Jährige.

Sein Engagement in der Migrationspolitik brachte Laschet in Parteikreisen schon früh den Beinamen „Türken-Armin” ein.

Aus schwarz wird grün: Von der „Habeckisierung“ der Politik

Laschet gilt nicht nur wegen seines migrationsfreundlichen Kurses in der Union als Parteilinker und wird medial als eine Art Nachlassverwalter für Angela Merkel (CDU) beschrieben. Seine Nähe zu den Grünen, mit denen sich der Aachener schon in frühen Jahren zum Pizzaessen traf und Gedanken austauschte, ist unübersehbar.

2019 schwärmte Laschet vom Auftritt des Führungsduos aus Robert Habeck und Annalena Baerbock. „Diese Habeckisierung der Politik“ sei „ein Wellness- und Wohlfühlfaktor“, so der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens.

Der Begriff der „Leitkultur der Vielfalt“ könnte ebenso von den GrĂĽnen-Chefs kommen, ist aber von Laschet aus dem Jahr 2018. Ein Jahr später stellte der ehemalige Integrationsminister fest, dass der „Markenkern der CDU […] nicht das Konservative” ist.

Verlorene Klausuren und Karl der GroĂźe

Auch abseits von Migrationsfreue und GrĂĽnen-Anbiederung leistete sich der neue Kanzlerkandidat der Union einige Patzer und Peinlichkeiten.

Kurios wurde es in Zuge der Veröffentlichung seiner persönlichen Biografie „Der Machtmenschliche“, in der Laschets Bruder mit Hilfe einer detaillierten Stammbaumanalyse herausgefunden haben wollte, dass ein Familienzweig in insgesamt vierzig Schritten vom Frankenherrscher Karl dem Großen zum NRW-Ministerpräsidenten und seinen Brüdern führt. Nach Medienberichten bewundert Laschet den mächtigsten Feldherrn des Mittelalters sehr und hat in seinem Büro in der Düsseldorfer Staatskanzlei sogar eine goldene Karl-Büste aufstellen lassen. Leider stellte sein Bruder in einem späteren Spiegel-Interview klar, dass er selbst „nicht wirklich“ an eine Abstammung glaube.

Mindestens ein „Geschmäckle“ hatte der Einkauf von Schutzausrüstung zur Eindämmung des Corona-Virus im Frühjahr 2020 beim Textilunternehmen Van Laack, ohne dass vorher ein entsprechender Auftrag ausgeschrieben worden war. Wenige Monate später kam heraus, dass Laschets Sohn Johannes, der für Van Laack als Werbegesicht arbeitet, den Kontakt zur Landesregierung hergestellt hatte. Jegliche Vorwürfe der Vetternwirtschaft wirkte Laschet mit einem Verweis auf die damalige Notsituation ab.

Am unvergesslichsten bleibt jedoch der Skandal um Klausurergebnisse an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen im Frühsommer 2015. Seinen Lehrauftrag gab Laschet auf, nachdem er Klausuren, die „auf dem Postweg abhandengekommen“ waren, einfach mit Noten versah. Zu Laschets Pech erhielten auch Studenten Ergebnisse, die die Klausur überhaupt nicht mitgeschrieben hatten. Der damalige Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion im Nordrhein-westfälischen Landtag rechtfertigte seine Bewertungen anhand seiner angeblich gemachten Aufzeichnungen, die er rekonstruiert habe.

Statt eines Rücktritts von allen politischen Ämtern steht Laschet wenige Jahre später an der Spitze der Union und möchte ins Kanzleramt einziehen. Zurück bleibt eine politisch entkernte und zerstrittene CDU/CSU, die Mandate und Posten schon in den Händen der Grünen ausmacht.

Aber hatte nicht Armin Laschet selbst von einer „Habeckisierung“ der Politik geschwärmt?

TM

Die Akte Laschet – Wer ist der CDU-Kanzlerkandidat? Zuletzt aktualisiert: 20.04.2021 von Team Münzenmaier
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