CDU-Vorstandssitzung: Abend der Demontage f├╝r die Union

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Die Union versinkt immer tiefer im Kandidatenchaos. Markus S├Âder spielte am Montag-Nachmittag, den 19. April 2021, in einer Pressekonferenz den Ball an die CDU zur├╝ck und meinte, er w├╝rde nun ein Votum der CDU akzeptieren. Wer den Auftritt verfolgte, der wunderte sich ├╝ber einen sichtlich gelassenen, gut gelaunten bayerischen Ministerpr├Ąsidenten. Von einer Stimmung einer zu erwartenden Niederlage durch CDU-Vorstandsbeschluss konnte keine Rede sein.

Am selben Tag begann dann eine Sondersitzung des CDU-Vorstandes. Armin Laschet lud zur erneuten Kl├Ąrung der Kandidatenfrage. M├Âglicherweise versprach sich der CDU-Vorsitzende einen ├Ąhnlichen R├╝ckhalt wie bei der Sitzung eine Woche zuvor. Auch Konkurrent S├Âder war eingeladen und dieser tat gut daran, seine Teilnahme abzusagen, denn der Abend eskalierte v├Âllig.

Chaos-Sitzung des CDU-Vorstandes

Schon im Vorfeld war klar, dass sich die Funktion├Ąre der CDU in einer Zwickm├╝hle befinden. Sollten sie sich ├╝ber die doch sehr deutliche Pro-S├Âder-Stimmung in der Basis und auch die Umfragen einfach hinwegsetzen? Oder wird Armin Laschet zum R├╝ckzug bewegt und damit wohl auch als Vorsitzender der Partei kaum mehr zu halten sein?

Die Sitzung konnte in den Medien bemerkenswert offen mitverfolgt werden. Fast als Liveticker sickerten Informationen aus der internen Sitzung. Und schnell wurde klar, dass dies kein Zuckerschlecken f├╝r Laschet werden w├╝rde. In einer Eingangsrede machte der Nordrhein-Westfale klar, dass er sich nach wie vor zur Kandidatur bereit erkl├Ąre. Von der Bereitschaft zum Verzicht scheinbar keine Spur.

Nat├╝rlich hatte Laschet eiserne Bef├╝rworter wie seine Vorg├Ąngerin Annegret Kramp-Karrenbauer, allerdings wuchsen auch bei eifrigen Unterst├╝tzern offenbar erhebliche Zweifel, ob ein Votum pro Laschet nicht erheblichen Zorn bei der Basis hervorrufen w├╝rde und damit ein geschlossener Wahlkampf unm├Âglich gemacht w├╝rde.

Laut Medienberichten sollen auch Landwirtschaftsminister Kl├Âckner und der hessische Ministerpr├Ąsident Volker Bouffier trotz ihrer Zustimmung f├╝r Laschet auf die Stimmung der Mitglieder verwiesen haben. Mit am deutlichsten f├╝r S├Âder soll sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier ausgesprochen haben, der betonte, man m├╝sse in die Basis hinein h├Âren.

Zoff um Verfahrensfragen

Um aus diesem selbst verschuldetem, fast unl├Âsbarem Dilemma herauszukommen, waren sich die Teilnehmer den Berichten zufolge nicht mal bei der Frage nach eventuellen Abstimmungsfragen einig. Zun├Ąchst wurde wohl eine Kreisvorsitzendenkonferenz in den Raum gestellt. Aber Laschet beharrte auf einer Entscheidung des Vorstandes. Aber wie? Die Sitzung war digital und es stand die Frage im Raum, ob eine weitere Pr├Ąsenzsitzung erforderlich sei. Die Absurdit├Ąt steigerte sich in zunehmendem Ma├če.

Gegen Mitternacht war der Gipfel der mangelnden Professionalit├Ąt erreicht, als Medien berichteten, dass es langen Streit dar├╝ber gab, ob eine anonyme Abstimmung in einem digitalen Format denn ├╝berhaupt m├Âglich sei.

Schlie├člich musste die Sitzung nach sechs Stunden Endlosdiskussion unterbrochen werden und Laschet soll gesagt haben: “Es kann nicht sein, dass wir an einem technischen Digitalproblem scheitern. In zehn Minuten geht es weiter.”

Als das schlussendlich gekl├Ąrt war, gab es eine Entscheidung gegen eine Kreisvorsitzendenkonferenz und es wurde spannend.

In einer Abstimmung entschied sich der CDU Vorstand mit 31 Stimmen f├╝r Armin Laschet als Kanzlerkandidaten. 9 Stimmen gab es f├╝r Markus S├Âder und 6 Enthaltungen! Zustimmung von 67% exklusive der Enthaltungen!

Selbstdemontage der CDU

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie Markus S├Âder die Berichterstattung verfolgt haben muss. Die Entkernung der CDU durch Angela Merkel hat sichtliche Spuren hinterlassen. Die Union steht nicht nur inhaltlich vor den Tr├╝mmern ihrer Existenz, sondern ist auch personell und strukturell im absoluten Chaos versunken.

Am Ende entscheiden sich die Funktion├Ąre doch f├╝r die Parteir├Ąson und liefern nach einer katastrophalen Sitzung ein am Ende ├╝berraschend deutliches Votum f├╝r Armin Laschet als Kanzlerkandidaten der Union ab. Wie die Basis reagiert, bleibt abzuwarten.

Im Anschluss wird es nun ganz auf die Reaktion von Markus S├Âder ankommen. Akzeptiert er das Ergebnis, dann geht die Union mit einem schon vorab massiv besch├Ądigten Kandidaten in den Wahlkampf. Tut er das nicht, dann geht die Selbstdemontage weiter. Ob das letzte Wort nun gesprochen ist, mag man bei dieser Union nicht mehr glauben.

TM

CDU-Vorstandssitzung: Abend der Demontage f├╝r die Union Zuletzt aktualisiert: 20.04.2021 von Team M├╝nzenmaier
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Lucifer Bromwasser
20 Tage zuvor

Eine sehr schwierige Entscheidung f├╝r die Union. Jeder der beiden Politclowns ist geradezu pr├Ądestiniert f├╝r das hohe Amt des Vize-Kobolds.