1,2 oder 3? Die CDU-Kandidaten, die keiner möchte

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Es ist der lang erwartete Showdown in der CDU.

Nachdem Annegret Kramp-Karrenbauer im Februar 2020 ankĂŒndigte, ihr Amt als Vorsitzende der selbst ernannten Volkspartei zur VerfĂŒgung zur stellen, brachten sich im Laufe des vergangenen Jahres drei Kandidaten fĂŒr die Nachfolge in Stellung: der Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen, der nordrhein-westfĂ€lische MinisterprĂ€sident Armin Laschet und Friedrich Merz, der seit 2009 ĂŒberhaupt kein politisches Amt mehr inne hat.

Wirklich glĂŒcklich scheint die Union ĂŒber keinen der Kandidaten zu sein. WĂ€hrend Röttgen in der Vergangenheit schon eine bittere Wahlschlappe einstecken musste und Laschet in der Corona-Krise von einem FettnĂ€pfchen ins nĂ€chste tappte, biederte sich Friedrich Merz in peinlicher Art und Weise den GrĂŒnen an. Dass in Medienberichten keiner der drei Namen bezĂŒglich einer Kanzlerkandidatur eine wichtige Rolle spielt und stattdessen mehrmals Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie der bayrische Landeschef Markus Söder (CSU) mit dem Amt in Verbindung gebracht wurden, macht das Dilemma des Trios deutlich. Trotz dieser schlechten Ausgangslage wird heute am digitalen Parteitag ĂŒber den neuen Vorsitzenden der CDU abgestimmt.

Ein kurzes PortrÀt zu drei Kandidaten, die keiner so recht möchte.

Norbert Röttgen: „Bedauerlicherweise entscheiden die WĂ€hler“

Als Norbert Röttgen im Februar 2020 als erster Kandidat seinen Hut fĂŒr die Nachfolge von Kramp-Karrenbauer in den Ring warf, war die Öffentlichkeit sichtlich ĂŒberrascht. Der 55-JĂ€hrige saß zu außenpolitischen Themen zwar öfter auf den Talkshow-StĂŒhlen der Republik, mit einer Kandidatur fĂŒr den Vorsitz der CDU hatten trotzdem die wenigsten gerechnet. Daher wurden Röttgen zu Beginn des innerparteilichen Wahlkampfs höchstens Außenseiterchancen eingerĂ€umt. In den letzten Monaten konnte der Vorsitzende des auswĂ€rtigen Ausschusses Punkte gutmachen, wohl auch deswegen, weil die Favoriten Merz und Laschet zeitweise schwĂ€chelten.

Trotzdem nagen zwei entscheidende Niederlagen am Juristen, die Fragen nach der politischen QualitĂ€t des Außenpolitikers aufkommen lassen. 2012 trat Röttgen als Spitzenkandidat fĂŒr die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an und erlebte sein persönliches Fiasko. Mit ĂŒber acht Prozenten Verlust verlor die CDU unter seiner FĂŒhrung die Wahl krachend, unter anderem da der 55-JĂ€hrige vor Fernsehkameras den Satz „Bedauerlicherweise entscheiden die WĂ€hler“ fallen ließ. Im Anschluss wurde Röttgen von Kanzlerin Merkel als Bundesumweltminister entlassen, obwohl die Medien ihn oft als „Muttis KlĂŒgsten“ bezeichnet hatten und den beiden ein gutes VerhĂ€ltnis nachgesagt wurde.

Der Außenpolitiker selbst gilt als Parteilinker und sprach sich im vergangenen Jahr vermehrt fĂŒr die Aufnahme von Migranten aus den Lagern auf den griechischen Halbinseln aus. Im September forderte der Vorsitzkandidat, 5000 Asylsuchende sofort in Deutschland aufzunehmen: „5000 Menschen weniger wĂŒrden die Lage in Griechenland erheblich entlasten. Es ist unser christlich-demokratischer Anspruch an Politik, dass wir jetzt helfen”, sagte der frĂŒhere Umweltminister laut Medienberichten.

Eine konservative Wende der CDU ist unter Röttgen keinesfalls zu erwarten.

Friedrich Merz – Das große Geld und GrĂŒnensympathie

Schon 2018 versuchte der machthungrige Friedrich Merz, den Vorsitz der CDU fĂŒr sich zu gewinnen. Knapp musste er sich Annegret Kramp-Karrenbauer geschlagen geben und lehnte beleidigt jede weitere Position in Verantwortung ab. Stattdessen zog es den 65-JĂ€hrigen zurĂŒck in die freie Wirtschaft, wo er schon wĂ€hrend seines Bundestagsmandats und nach dem Ende dessen 2009 groß Kasse gemacht hatte. Eine ganze Reihe umstrittener Aufsichtsratsposten besetzte der Jurist, unter anderem bei Axa und dem weltgrĂ¶ĂŸten Vermögensverwalter BlackRock. Peinlich wurde es, als Merz im November 2018 der Bild mitteilte, er zĂ€hle sich zur „gehobenen Mittelschicht“. In Anbetracht verdienten Millionen und dem Besitz zweier Flugzeuge eine gewagte Einordnung.

Ob Merz konservative Positionen zurĂŒck in die Union bringen möchte, ist höchst zweifelhaft. Zum einen bezeichnete er die Abgeordneten und WĂ€hler der Alternative fĂŒr Deutschland auf einer Veranstaltung im Berliner Ballhaus indirekt als „Gesindel“, zum anderen biederte sich Merz im Juni 2020 peinlich den GrĂŒnen an. FĂŒr den Spiegel ließ sich der Vorsitzkandidat mit dunkelgrĂŒnem Anzug ablichten und meinte: „Schwarz-GrĂŒn sitzt doch bei vielen BĂŒrgerlichen Familien lĂ€ngst mit am FrĂŒhstĂŒckstisch“. So viel zur konservativen und patriotischen Ausrichtung des Mannes aus dem Sauerland.

Armin Laschet – MinisterprĂ€sident mit Migrationswille

Die politische Karriere Armin Laschets begann Mitte der 90er-Jahre mit dem Einzug in den Deutschen Bundestag. Schon 2005 wechselte der Aachener in die Landespolitik und zeigte schnell seine Linie auf: Er wird der erste Integrationsminister Deutschlands und fordert messbare Integrationserfolge ein. Sein Engagement in diesem Bereich brachte Laschet in Parteikreisen den Beinamen “TĂŒrken-Armin” ein. Seit 2017 steht der CDU-Politiker an der Spitze von Nordrhein-Westfalen und setzt seinen migrationsfreundlichen Kurs nahtlos fort. Im September 2020 appelliert an die EuropĂ€ische Union, FlĂŒchtlingshilfe fĂŒr Griechenland nicht von der normalerweise geltenden Einstimmigkeit abhĂ€ngig zu machen. „Alle Willigen sollten jetzt tĂ€tig werden“, meinte Laschet.

Zudem machte der 59-JĂ€hrige in der Corona-Krise mit einer umstrittenen Bestellung von Corona-SchutzausrĂŒstung an das Modeunternehmen Van Laack auf sich aufmerksam. Da sein Sohn schon lange mit dem Unternehmen kooperierte, geriet Laschet in Verdacht, Vetternwirtschaft betrieben zu haben. Der Vertrag soll nun rĂŒckabwickelt werden.

Zusammenfassend wĂŒrde die Wahl Laschets eine Fortsetzung des migrationsfreundlichen Merkelkurses bedeuten.

1,2 oder 3: Keine Änderung des Merkel-Kurses in Sicht

Egal ob Norbert Röttgen, Friedrich Merz oder Armin Laschet: FĂŒr einen konservativen Aufbruch steht keiner der drei Kandidaten. Alle drei schließen eine schwarz-grĂŒne Regierung nach der nĂ€chsten Bundestagswahl nicht aus und wollen die CDU auf keinen Fall weiter nach rechts fĂŒhren. FĂŒr Konservative und Patrioten gibt es daher nur eine Partei: die AfD!

TM

1,2 oder 3? Die CDU-Kandidaten, die keiner möchte Zuletzt aktualisiert: 16.01.2021 von Team MĂŒnzenmaier
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DerIngenieur
1 Monat zuvor

Oder vielleicht doch wieder Merkel? Wer die Wahl hat, hat die Qual!

francomacorisano
1 Monat zuvor

TĂŒrken-Armin Laschie wird CDU-Chef? Also Merkel mit Pipimann! Erinnern wir uns an die erst kĂŒrzlich gemachte Aussage der saarlĂ€ndischen Putzfrau: „Die CDU hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten sehr stark weiterentwickelt. Sie ist heute eine andere Partei, als sie das vor 10 oder 20 Jahren war. Auch, weil wir heute eine andere Gesellschaft haben„.

Das CDU-Establishment wollte Merz ja unbedingt verhindern. Die AfD darf das freuen. Mit einer weiter linken CDU ist rechts davon eben nicht mehr nur die Wand, wie Strauß einstmals sagte